Übersicht Berichte


Christina Obergföll, die ehemalige Speerwerferin der LG Offenburg, erhielt nachträglich ihre Bronzemedaille für die WM 2011. Die Siegerin war später wegen Dopings disqualifiziert worden. Rang vier war damals für Obergföll eine Enttäuschung, aber auch ein Wendepunkt, wie sie glaubt.
Die Weltmeisterschaft 2011 in Daegu war für Christina Obergföll (LG Offenburg) ein ganz bitteres Erlebnis. „Der Tiefpunkt meiner Karriere“, sagt die Speerwurf-Weltmeisterin von 2013 und zweifache olympische Silbermedaillengewinnerin im Nachgang.
Topfavoritin in Südkorea
Als frischgebackene Siegerin der Diamond League und Topfavoritin war sie nach Südkorea angereist, um am Ende als Vierte bittere Tränen zu weinen. „Eine Medaille hätte mir damals sehr viel bedeutet und mir auch geholfen, schnell über die Enttäuschung wegzukommen.“
Zweite nachträgliche Medaille
Am Freitag, fast neun Jahre danach, hat sie sie im Rahmen des Hallenmeetings in Karlsruhe bekommen. In Bronze. Christina Obergföll war aufgerückt, weil die damalige Weltmeisterin Maria Abakumova (Russland) nicht „sauber“ gewesen ist, wie Doping-Nachtests erwiesen haben. Bereits im vergangenen August hatte die deutsche Rekordhalterin (70,20 m) in einer privaten Zeremonie im „Liberty“ in Offenburg nachträglich die olympische Silbermedaille von Peking 2008 erhalten. Auch damals war sie einen Platz vorgerückt.
Spalier der Weggefährten.

Karlsruhe, insbesondere Meeting-Direktor und Ex-Zehnkämpfer Alain Blondel, hat der 38-Jährigen über drei Jahre nach ihrem Rücktritt vom Leistungssport nun einen „richtig schönen Abend“ (Obergföll) beschert. „Man hat fünf Minuten eingeplant, nur um mich zu feiern“, freute sich Christina Obergföll. Langjährige Weggefährten wie ihre Speerwurf-Kollegen Johannes Vetter, Christin Hussong und Andreas Hofmann, Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, Sprinterin Verena Sailer und Hürdenläuferin Kirsten Bolm bildeten ein Spalier für die große deutsche Dame der Leichtathletik. Die vom Umfang riesige Medaille, „die größte meiner acht internationalen Medaillen“, so Obergföll, wurde ihr von ihrem langjährigen Erfolgstrainer Werner Daniels überreicht. Die rund 5000 Zuschauer in der Halle 3 der Messe Karlsruhe applaudierten stehend.
„Sehr beeindruckt“
„Diese Wertschätzung hat mich sehr beeindruckt. Es ist schön zu sehen, dass die Leute wissen, was man für diesen Sport geleistet hat. Keiner hat gesagt: Was soll das neun Jahre danach? Die Leute erkennen an, dass man einfach beschissen worden ist“, freut sich die 38-Jährige.
Nach 2011 Mentaltrainer engagiert
Heute kann Christina Obergföll auch noch Positives in der größten Niederlage ihrer Karriere sehen. „Nach dem vierten Platz haben wir damals entschieden, mit einem Mentaltrainer zu arbeiten. Für meine weitere Karriere war das ein entscheidender Schritt – auch auf dem Weg zu meinem Weltmeistertitel 2013. Hätte ich in Daegu Bronze gewonnen, hätten wir vielleicht nicht so tiefgreifend analysiert.“
Bei aller Freude äußerte Obergföll nun aber auch den Wunsch, dass diese Art der verspäteten Medaillenzeremonie die letzte für sie gewesen ist. „Wenn jetzt noch was käme, würde mir das bitter aufstoßen. Das wäre ganz übel – nicht nur für mich, sondern auch für meinen Sport.“

Leave a Reply